Das gesetzte Essen. Ob Hochzeit, großer Geburtstag oder Charity:  wer ein festliches Dinner organisiert, sollte sich rechtzeitig mit der Frage des Placements [plasmâ], der Sitzordnung, beschäftigen. Denn neben Sympathien und Gutgemeintem, diese Freundin mit jenem Arbeitskollegen doch mal anzukuppeln, gibt es etliche gesellschaftliche Fallstricke. Und auch jene, die eingeladen sind, fragen sich manchmal, warum sie sitzen, wo sie sitzen. fett. hat sich mit dem vielzitierten, berüchtigten Freiherrn beraten, klärt und bewahrt vor dem Fauxpas [foˈpa].

 

  1. Verlobte sitzen immer, Ehepaare nie nebeneinander! Und tschüss! Außer man feiert einen runden Hochzeitstag mit lauter befreundeten und verwandten Pärchen. (Hm. Andererseits, könnte ja ganz komisch sein…, Freiherr!)
  2. Damen und Herren, bzw. Frauen und Männer, werden abwechselnd platziert. Der links neben der Dame sitzende Herr ist ihr „Tischherr“ und hat sich um ihr Wohl zu kümmern. (Was das heißt, hier demnächst bei fett.)
  3. Ist der Frauen- oder der Männeranteil überproportional, so dass nicht durchgängig Pärchen gebildet werden können, verteile man die Überzähligen möglichst unauffällig und symmetrisch. Bitte kein Katzentischende mit lauter fröhlichen Single-Kolleginnen! Das kann leicht nach Animier-Bar aussehen und zu genauso überproportional fröhlichen Tumulten im festlichen Rahmen führen.
  4. Und wo wir grad beim Thema sind: der Freiherr ahnte wohlmöglich nur sehr persönlich von homosexuellen Verbindungen, deshalb gilt bei gesetzten Essen mit gleichgeschlechtlichen Paaren oder Singles, was immer gilt: Intuition.
  5. Jetzt wird es den Regeln nach komplizierter, denn international anerkannt sitzt der männliche Ehrengast rechts von der Gastgeberin und seine Begleiterin rechts vom Gastgeber. Handelt es sich um einen weiblichen Ehrengast, so sitzt sie rechts vom Gastgeber und ihr Begleiter links von der Gastgeberin.
  6. Alle weiteren wichtigen Gäste sitzen links von den Gastgebern. Tja, da weiß man Bescheid, wenn man rechts sitzt. Aber wenn man bei den Obamas zum Essen eingeladen ist, ist an der Tischordnung zu  sehen, dass auch “Potus” und “Flotus” Stil made in Germany vertrauen.
    ©Washington Post
  7. Denn in Deutschland, sagt der Freiherr, kann der männliche Ehrengast auch links der Gastgeberin als ihr Tischherr sitzen. Was wiederum bedeutet, dass die Begleiterin links vom Gastgeber sitzen sollte, damit er ihr Tischherr ist. – Na, noch alles klar?
  8. Weil oder wenn die Gastgeberin während des Essens hin und wieder in die Küche muss, ist es gut, auf der anderen Seite des Ehrengastes eine Person zu platzieren, die auch in der Lage ist, den Ehrengast zu unterhalten.
  9. Der Gastgeber weist den Gästen ihren Platz. Es wäre ganz schön, wenn er – auch wenn er sich bis zu diesem Abend voller Vertrauen und liebevoll auf seine Frau verlassen hat, oder anders ausgedrückt: um rein gar nichts gekümmert hat – dazu nicht unbedingt einen Zettel oder sein iPad in der Hand halten würde, denn das wirkt … nunja. Analoge Tischkärtchen, die oberhalb des Tellers aufgestellt werden sollten, helfen, den Überblick zu behalten.
  10. Diese Tischkärtchen sind natürlich handgeschrieben und zwar von beiden Seiten, damit auch die gegenüber sitzende Person immer mal schauen kann und Katrin nicht penetrant mit Kerstin anspricht.
  11. Auch wenn man Tischkärtchen aufgestellt hat, überlässt man es nicht den Gästen, anhand der Karten ihren Platz selbst zu finden. Entweder stellt man vor dem Raum einen großen, übersichtlichen Plan auf, damit sich die Gäste vorab orientieren können, oder man führt zum Platz oder falls es ganz was Großes ist, lässt führen.
  12. Und, selbst wenn man keinen Hunger mehr hat, nicht mal Appetit, sobald man erkennt, wo man sitzt und vor allem, wer der Tischherr, die Tischdame ist: es ist absolut tabu, Tischkarten zu tauschen oder Plätze zu wechseln. Da muss man durch! Bis getanzt wird. Und nicht vergessen: hin und wieder erreicht man ganz neue Bewusstseinsebenen, wenn man sich in sein Schicksal ergibt.
  13. Sobald die Gastgeberin wirkt, als wollte sie sich setzen, folgen die Gäste. Zuerst die Damen. Sie nähern sich ihrem Stuhl von rechts, was ihrem Tischherrn die Gelegenheit gibt für einen Erstkontakt: Stuhlzurechtrücken für die Tischdame.
  14. Die Dame berührt den Stuhl die gesamte Veranstaltung über nur, wenn sie extrem supersauer ist. Ansonsten macht sie ihrem Tischherren dezente Zeichen, z.B. aufstehen, tanzen, wieder hinsetzen oder fliehen zu wollen. Und er rückt und schiebt daraufhin für sie souverän den Stuhl. – Tja, liebe Tischherren, jetzt wird „Mad Men“ Wirklichkeit. Nicht nur Nr. 5 lebt! Die 50er leben! Bloß rauchen darf man nicht mehr überall… Ja, schade.

Bitteschön, alles wieder grade gerückt. fett. hilft sehr gern.