Auch Woche 2 der Party ist schon vorbei. Oder besser: des bɾaˈziu̯-TV-Raves. Was gab das Line up bisher her? Nach Hause fahr’n, nach Hause fahr’n usw. hieß es, ups, für die Spanier. Und, well …, die Engländer (Klick!). Und: azzurro, il pomeriggio è troppo azzurro e lungo – da freuen wir uns.

Wir haben bereits wunderschöne Sätze gehört, wie “Australien ist mein geheimer Favorit.” Oder: “Ich habe Japan durchgewettet.” Aber auch Blutdruckssteigerndes, wie: “Gegen die Holländer kann man schon mal verlieren.” oder “Ich vermisse Waldis WM-Club!“. Wir haben jeden Abend einen netten Mathias und einen Memet oder Olli und Olli in unserer Cabana. Wir wundern uns nicht mehr über die Trendfrisuren der Herren auf dem Platz. Und wir haben Cathy Fischers Denken/Gedanken kennengelernt und wissen nicht, wozu. Viel mehr würde uns interessieren, was macht eigentlich Angela Häßler? Hallo, letzte Seite-Kollegen vom STERN ! – Aber zurück zur Gegenwart. Und die sieht so aus: 

Die Zeit. Damit meinen wir nicht die wohlgeliebte Wochenzeitschrift, die man innerhalb einer Woche nie bis kaum schafft – schon gar nicht, wenn man jeden Abend vor der Sport-Glotze klebt. Sondern das Original, also die Zeit. Ihr wisst schon, das: Man wird nicht jünger. Mit dieser ernüchternden Erkenntnis gehen nicht nur etliche Spieler aus den ersten WM2014-Wochen, sondern, ja, …

Kleiner Rückblick: Vor gerade mal zwölf Jahren, ein Klacks!, im Sommer 2002, federten wir in der Vorrunde der WM in Südkorea und Japan morgens mühelos und im Morgengrauen von der Matratze, um pünktlich zum Anpfiff um 8:30 Uhr frisch und aufgeräumt unsere Plätze in unserem WM-Studio, dem “La Paz“, vor mehreren Röhrenfernsehern einzunehmen, wo wir uns allmorgentlich in großer, inniger Runde mit Fremden trafen. Noch vor dem ersten Filterkaffe in riesigen Tassen dort im Lokal, wurden akkurat und zitterfrei Paninibilder eingeklebt, Tipp-Tabellen auf Stand gebracht und die Ranglisten auf Basis der Vortagsergebnisse neu errechnet. Nach dem frühen Spiel stiegen wir in die U-Bahn, auf’s Rad und… fuhren schlicht zur Arbeit. Nach durchschnittlich neun Stunden, die wir dann da verbrachten, trafen wir abends ein paar Freunde, tauschten ein paar Panini-Bilder, tranken ein paar Drinks, gingen spät zu Bett – und freuten uns beim Einschlafen auf das Klingeln des Weckers am nächsten Morgen. Einzig bei England-Schweden, das an einem Sonntag (!) ab 7:30 ausgetragen wurde, sah man hier und da ein zerknautschtes Gesicht.

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Aktuell stellen wir fest: Schon in der Halbzeit des 22-Uhr-Spiels kommt es ab und an zum ersten Gähnen. Na, kein Wunder: Nach zähem Arbeitstag den Slalom um die gigantischen Openair-Flachbildfernseher der örtlichen Gastronomie ohne Kollisionen zu meistern, erfordert volle Konzentration. Kräftezehrend auch der Einkauf: Zwischen Limbo-Fritt und Limetten-Grillmarinade, Copacabana-Quarktraum und Weltmeister-Wurst noch schlichte Kartoffeln, Milch oder Käse zu finden, die weder WM-passend exotisch aromatisiert noch schwarz-rot-golden eingefärbt sind, ist ermüdender als die Warm up-Berichterstattung vom Bela Vista-Parkdeck der Öffentlich-Rechtlichen. Ehrlicherweise hinzugefügt: Wir fallen schnell auf fast alles rein und kaufen selbstverständlich auch den Elfmeterpunkt von Toffifee, Haribo Tor-Knaller und die Halbzeittüte von Chio. Weil: Werbung wirkt.

Doch wir brauchen zusätzlich zur bloßen Begeisterung noch was. Und erinnern uns, was damals, vor 12 Jahren, so zu sich genommen wurde, wenn der Morgen schon nah, die Nacht –  respektive Party – noch lange nicht vorbei war: “Russisch Koks”, ein Spin off  von Tequila mit gesalzenem Zitronenscheibchen auf dem Glas. Die Ost-Variante funktionierte so: Handteller mit Zitronenscheibe anfeuchten, darauf je eine Line Zucker und Kaffeemehl ziehen, ablecken – und runtergeext mit Wodka, natürlich. Ergebnis: frisch binnen Sekunden – und für Stunden.

Weil wir aber zur Zeit mentalseelisch in Brasilien sind, kommt diesen Monat nur dieser wahre, klare und echt südamerikanische Schnaps in Frage: Cachaca. Ja-ha, wir wissen, was von Kirmes-Caipirinah-Konsumenten zu halten ist. Keine Frage, wir sind uns einig! Aber, liebe fett.-Gesellschaft, mit Café, mit Kaffeebohnen (Santos), Zucker (Rohr!), Limetten (“meisterlich exotisch”, laut Verpackung) und, logisch, heimischem Eis: Goooooooool!

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Die Mengen nach Wahl und Geschmack. Und los geht’s:

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Die fett.-Redaktion sagt: sehr schönes Spiel! Hervorragende Leistung. Wir sind knallwach! Die ganze Nacht. Samba. Mit Tony Holiday und ohne. Wir gehen in die Verlängerung.

Die noch 17 Tage bis zum Finale putzmunter:

fett.

 

 

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PS: Klar, wir legen uns natürlich sehr gern fest. Die Hälfte der fett.-Redaktion sagt: Allez, les Bleus! Die andere Hälfte ist überzeugt, im Endspiel geht’s gegen die Niederlande.


 Fotos: ©fett.