“The drink that stirs up memories” sagt man in Amerika vom Eggnogg, und schon allein das hätte ausgereicht, um den traditionsreichen Wintercocktail im Dezember für uns zum Drink des Monats zu qualifizieren. Denn schließlich ist Weihnachten Hochsaison für sentimentale Erinnerungen – gute wie schlechte, und diese mit Alkoholgenuss zu verstärken (oder zu mindern) ist bekanntlich nicht die schlechteste Strategie, gut durch die Feiertage zu kommen. Ein zweiter Grund, in der Adventszeit Eggnogg zu trinken: Die Zubereitung zwingt zur Entschleunigung – wer hektisch an die Sache geht, hat schnell mal einen halben Liter Rührei mit Schnaps im Topf. Und drittens ist das Zeug, klar, LECKER!

Mit dem deutschen Eierpunsch hat der Eggnogg alles und auch wieder nichts zu tun. Zwar braut man beides aus Eiern, Sahne und Alkohol zusammen. Aber erstens trinkt man Eierpunsch warm, Eggnogg dagegen gut gekühlt und zweitens bereitet die deutsche Variante hierzulande seit dem Kalorienrausch der fünfziger Jahren kaum jemand noch selbst zu. Eierpunsch wird quasi nur noch auf Weihnachtsmärkten ausgeschenkt, und die Salmonellenzentrifugen, in denen das leicht ansetzende und sich absetzende Getränk stundenlang durchgequirlt wird, halten jeden, der Weihnachten gesund und munter unter´m Tannenbaum verbringen will, auf Abstand.

Im angelsächsischen Raum dagegen trinkt man Eggnog vorwiegend daheim und gern aus gigantischen Bowleschüsseln.  Da die Zubereitung wie angedeutet ein bisschen tricky ist,  gibt´s ihn dort ganz convenient gallonenweise fertig im Supermarkt zu kaufen – mit und ohne Alkohol und selbstverständlich auch in “fat-free” und veganen Varianten.

Das “egg” im Namen versteht sich von selbst, zum zweiten Teil gibt´s verschiedene Erklärungen – “nogg” nannte man im mittelalterlichen England ein starkes Bier (das ja auch bei uns früher mit Eigelb verquirlt als stärkender Trank für Kranke galt), anderen Erzählungen zufolge ist Eggnogg ist die Kurzform eines in der Kolonialzeit beliebten ähnlich gebauten Drinks namens “Egg-and-Grog”. Die Alkoholbasis unterscheidet sich nach Region und Geschmack, von Weinbrand, Whisky, Cognac und Rum bis zu Sherry und Pisco (in Mexico! Angeblich.) ist alles möglich. Kein Wunder, denn schließlich schmeckt das Zeug vor allem nach Ei, Zucker und Sahne – und das soll es auch.

Das Rezept

Für vier Portionen einen halben Liter Milch leicht erhitzen und mit 120 g Zucker verrühren. In einer Schüssel 6 Eigelbe verquirlen, nach und nach die Milch dazugeben. Das Ganze in einen Topf geben und bei niedriger Temperatur langsam erwärmen. Achtung!! Nicht kochen, sonst gerinnt das Ei! Nach etwa einer halben Stunde bekommt die Milch-Eier-Mischung eine sahnige, cremige Konsistenz. Jetzt in eine Karaffe gießen, 10 cl Brandy (oder Alkohol nach Wahl, s.o.) dazu und kalt stellen. Wer mag, aromatisiert vor dem Servieren noch mit einer Prise Muskatnuss oder Zimt.

Übrigens: Aus Resten zaubert eine Nacht im Tiefkühler ein köstliches Eggnogg-Parfait!