Ja, richtig, jetzt forschen wir auch noch! Kurz vor knapp haben wir uns eben rasch das Forschungsobjekt der Saison vorgeknöpft: Das Fest der Liebe.

Teil 1 unserer Versuchsanordnung: eingehende Untersuchung des Weihnachtsmanns (alles für die Forschung!). Zweitens: der empirische Teil – also ein schonungsloses Interview von fett.-Directrice mit fett.-Directrice (alles für die Wissenschaft!). Bitteschön.


Warum sitzt man Weihnachten mit Leuten zusammen, die man sonst das ganze Jahr nicht sehen möchte?

Meinst du Familie?

Xmas_2_Q

Na, ist Weihnachten vielleicht einfach das Fest der Barmherzigkeit?

Liebe im Sinne von Barmherzigkeit? Aber wir feiern Weihnachten doch nicht aus Barmherzigkeit…

Doch, auch. Oder Nächstenliebe, oder wie du es nennen willst. Warum rennt man denn wochenlang durch die Stadt oder hängt im Internet und besorgt Geschenke, obwohl es einen vollkommen stresst? Und obwohl man das ganze Jahr tausend Ideen für den und die hat, jetzt muss es sein und das, weil man pünktlich eine Freude machen möchte.

Wenn Weihnachten ein Fest wäre, an dem man sich um die kümmert, um die man sich das ganze Jahr nicht gekümmert hat, und sei’s nur mit Spenden, oder die Teile von Familie einlädt, die man sonst das ganze Jahr nicht sehen will, warum Geschenke? Geht Weihnachten nicht auch ohne Geschenke?

Es gehört zur Tradition. Und Geschenke sind in einer kapitalistischen Welt, haha, ein Weg, jemandem etwas zu geben, was man eigentlich nicht geben will.

Woher das mit der Schenkerei kommt, wissen wir aber nicht, oder?

Natürlich von den heiligen drei Königen…

Stimmt, Weihrauch, Mhyrrhe und…, ehm, Balsamico.

Neee, Gold!

Ach, ja, Gold, das Balsamico der vorchristlichen Zeit.

Was war dein schönstes Weihnachten bisher?

Xmas_1_Q

Tatsächlich sehr schön war einmal, als ich zu meinem nicht so geliebten Weihnachten unterwegs war und wegen vereister Oberleitungen den Heiligen Abend in einem vollen ICE verbracht habe. Wirklich herrlich. Ohne Quatsch, denn es war in Nullkommanix eine ruhige, nahe, ich möchte fast sagen, solidarische Atmosphäre da, ein bisschen Stockholm-Syndrom an Weihnachten. Nur das Bord-Catering und die mitreisenden Hunde, die Gassi gehen wollten, störten etwas. – Und du?

Einmal haben wir eigentlich gar nichts Großes gemacht. Ich habe was gekocht, das hat keinem geschmeckt. Fischsuppe, glaube ich. Und dann haben wir die Geschenke ausgepackt. Danach knurrte uns der Magen, und dann sind wir zu einer Burger-Braterei, und das war unerwartet super. Es war total voll, alle in echt netter Weihnachtsstimmung, die Leute hinterm Tresen haben Scherze gemacht, und dann haben wir da gegessen und sind durch den Schnee wieder nach Hause marschiert, alles sehr stimmungsvoll, und haben uns dann noch einen Film angeguckt und sind dabei eingeschlafen. – Alle waren sehr glücklich.

Das heißt mal wieder, einen Plan zu haben, garantiert nicht unbedingt Schönes. Und eigentlich geht es eher um Seele als um Barmherzigkeit oder Nächstenliebe. Also darum, dass man es schafft, dieses Fest zu beseelen.

Xmas_4_Q

Ja, und manchmal ist es so einfach, etwas zu ändern, so dass es glücklicher macht und dem Ganzen mehr Seele gibt. Zum Beispiel, indem man sich mittendrin seinen Vater schnappt und mit ihm einen Spaziergang macht, statt wie sonst rumzusitzen und auf den nächsten Programmpunkt zu warten. Aber wenn man an Weihnachten bei der Familie ist, dann ist man plötzlich wieder Kind und traut sich nicht, den gelernten Ablauf zu ändern.

Weihnachten ist echt das schwierigste Fest von allen. Am Geburtstag kann man wegfahren, an Ostern gibt’s keine Pflicht zum Nestbau, aber hast du das fünfundzwanzigste katastrophale Weihnachten erlebt und entscheidest dich, lieber mit einer Champagnerflasche auf dem Sofa „Der kleine Lord“ und „Drei Nüsse für Aschenputtel“ zu gucken, giltst du automatisch als einsam.

Was war dein schönstes Weihnachtsgeschenk ever?

Xmas_5_Q

Meine schwarze Velo Solex, zum Beispiel. Das war toll. Weil komischerweise wurde sich ausnahmsweise an meinen Wunschzettel gehalten. Denn so, wie meine Leute ticken, hören die, was ich mir wünsche, denken aber: „Okay, ein Mofa, doch nicht so ein Ding!“ Und ich rechnete damals mit einem orangefarbenen Hercules, weil ihnen das besser gefiel. Aber; Glück gehabt, glücklich gewesen! Drum, liebe fett.-Leser, Empfehlung: Wenn Wünsche ausgesprochen sind, immer exakt und genauestens erfüllen, sonst Mist!

Was immer gut war und ist, wenn an Weihnachten „Fremde“ reinschneien oder einfach mitgebracht werden. Das lockert die Stimmung. Mein klares fett.es Plädoyer für offene Häuser an Weihnachten!

Na, vielleicht kommt ja noch ein plötzlicher Kälteeinbruch und die Bahn vereist wieder kurz vor der Landeshauptstadt, dann wüsste ich dieses Jahr, wohin ich könnte. Vielleicht lässt sich da ja noch was machen in Sachen „Höherer Gewalt“.

Apropos höhere Gewalt. Ich denke, weil man damit aufgewachsen ist, dass Weihnachten eine Bedeutung hat, soll es eine Bedeutung behalten, egal wie – darum der ganze Aufwand.

Geschickt eingefädelt vom christlichen Marketing.

fettBeimWeihnachtsmann_2

Euch allen ein fröhliches Fest, wie es Euch gefällt, wünscht

fett.

 

 


Fotos: ©fett.