Lieber Burda Verlag,
am 22. November ist es wieder so weit. Sie verleihen zum 64sten Mal Ihre Bambis an Stars, die das verdient haben. fett. freut sich drauf! Wir sitzen, logisch, ab 20.15 bei der ARD in der ersten Reihe. Klar, sind wir schon ein bisschen traurig, nicht nach Düsseldorf eingeladen zu sein und nicht unsere besten Kleider auf Ihrem wahren roten Teppich zeigen zu dürfen. Und nicht Ihre jetzt schon feststehenden diesjährigen Preisträger Céline Dion und Blacky Fuchsberger quasi persönlich kennen zu lernen. (Na, dann eben ein ander Mal, nicht wahr?!)

Jedenfalls, ja, wir sind große Fans Ihrer Veranstaltung, pardon, des wichtigsten deutschen Medienpreises, muss es natürlich heißen. Und so haben wir mit großem Interesse gelesen, dass Bambi zukünftig auch noch der fortschrittlichste, zeitgemässeste, allermodernste Preis genannt werden muss. Und das wegen Ihres Mutes! Anders kann es nicht sein.

Denn da, wo andere Verlagshäuser betonhart starr stehen, wo andere Herausgeber mit den Achseln zucken und selbst jugendliche Verlagsleiter abschätzig lächeln und allenfalls „ja, ja, dann mach mal – aber nicht zu viel! Die Redaktion muss (in Gedanken: so unterbesetzt wie sie ist) weiterarbeiten können.“ nuscheln… Da, als Ihr Online-Marketing-Super-Visions-Direktor DAS iiibääh-Wort aussprach, da haben Sie gesagt: „Ja, pfundig! Des moch mer oalles!“ (oder so ähnlich). Und so machen Sie für Bambi tatsächlich ALLES. Alles, was das gefährliche „Social Media“ an Masse so hergeben mag.

Kurz zusammengefasst ist dies:

  • Facebook (gääähn…)
  • Twitter (Mal hoffen, dass das für Bambi ein bisschen flüssiger läuft als neulich bei den Bunte-Live-Tweets der Royalen Hochzeit)
  • Tumblr (Hä? Blogger teilen Promi-Gossip und illegale Fotos? Da sind wir gespannt!)
  • Spotify (Céline Dion-Special? Singt Blacky Fuchsberger eigentlich auch?)
  • Pinterest (Die Kleider der Stars mit Schnittbogen zum downloaden?)
  • Instagram (Ach, egal. Was soll das auch mit den Rechten am eigenen Gesicht, gell?!)

Wow! Was für andere wie ein Social Media-Overkill klingt, wird am 22. November ein lustiger Abend in der fett. Redaktion. Neben Fernseher werden wir auf alle Fälle noch den Laptop, das iPhone und iPad heißlaufen lassen, um auch alles mitzubekommen.

Also, jetzt mal ernsthaft. Sie möchten via Twitter mehr als 50.000 Follower über Bambi-Neuigkeiten auf dem Laufenden halten. Bei Pinterest können aktuelle und historische Bilder rund um Bambi geteilt werden. Bei Spotify finden sich Playlisten der Bambi 2012-Preisträger sowie Bambi Best-of-Hits aus den vergangenen Jahren. Und bei Tumblr bekommt Bambi einen eigenen Auftritt. Darüber hinaus gibt es die offizielle bambi.de, die Hintergründe zu Preisträgern und Aktionen liefert.
Und, haben wir das richtig verstanden, zur Zeit suchen Sie noch Red-Carpet-Reporter, die via Instagram berichten werden? Desweiteren sollen Internet-Nutzer auch noch Fotos hochladen (von ihren roten Teppichen?) und Ihre Facebook-Community sowie eine Jury entscheidet, welches das schönste Foto ist, was dann mit einem Motorola RAZRi prämiert wird?

Lieber Burda Verlag, Schappó!
Bei Ihnen wird die Angelegenheit mal wirklich durchdekliniert! Nein, nein, nicht ohne Sinn und Verstand, sondern: äähh, Bravo!

Nur eine Sache haben wir noch nicht kapiert: weibliche Fans der Bambi Facebook-Seite können wieder „Miss Bambi“ werden, heißt es. Gemeinsam mit Parfumeur Douglas wird ein Casting veranstaltet, Facebook-Fans und eine Jury suchen die Miss aus, die dann in der Bambi Live-Sendung der Band One Direction einen Bambi überreichen wird. So weit, so halbwegs klar. -
Aber „Miss Bambi“? Wir möchten nicht respektlos gegenüber Ihren Entscheidungen und Namensfindungen erscheinen, aber… Bei uns daheim, da haben wir vor langer Zeit (unter Tränen, klar!) gelernt, dass Bambi ein kleiner Hirsch ist, der seine Mutter verliert und sehr tapfer… Hach. Aber eins ist ganz klar: Bambi ist männlich!

Sollten Sie, lieber Burda Verlag, wirklich noch fortschrittlicher sein, als wir uns das im Moment nur freudig ausdenken können? Mit anderen Worten: dürfen wir demnächst neuen Titeln aus Ihrem Hause entgegenfiebern, die vielleicht „Madam Hubert“ (ein Wirtschaftsmagnatenmagazin) oder „Comtesse Helmut“ (eine Herrenzeitschrift) heißen werden?

Da freuen wir uns fast noch mehr drauf als auf die Bambi 2012-Verleihung!

Herzliche Grüße,

Ihre fett. Directrices