Bitte schön, liebe Damen und Herren des Schauwerbegestaltergewerbes – hier ist Ihre Benchmark: Auch so kann Weihnachten aussehen! Mehr Rot geht nicht. Dass es sich bei dem Schmuckobjekt tatsächlich um einen Weihnachtsbaum (spanisch: árbol de navidad) handelt, lässt nur die Form erahnen. Tanne ist gleich Kegel und Kegel ist gleich Tanne – die radikale Abstraktion eröffnet Gestaltungsfreiheiten, die hierzulande im Engel- und Elchgedöns vielleicht schon verloren gegangen sind. Schlichte Form und reine Farbe – das ist… doch eigentlich Bauhaus, oder?

Doch zurück nach Mexico: Ein anderes historisches Fotodokument (Mitte) zeigt unseren Auslandskorrespondenten – nein, nicht in den Fängen einer paramilitärischen Organisation, sondern bei einem weiteren hispanischen Weihnachtsbrauch: der Posada. Im Mittelpunkt steht – besser: hängt – ein Stern aus Pappmaché, dessen Zacken für die sieben Todsünden stehen. Dieser muss von den Gästen mit verbundenen Augen und einem Schläger in der Hand zertrümmert werden – dass der herausplatzende Bonbonregen mit großem Hallo gleich die nächste fröhliche Völlerei in Gang setzt, macht wohl nur Protestanten stutzig.

(Fotos: Torsten Schöwing)