Viel Kind, viel Feier-Freud: Der Kindergeburtstag, für so manchen Vater (und, ja, auch viele Mütter) “der schlimmste Tag des Jahres”, wird zum Dauerzustand. Vor allem, wenn die terminliche Taktung kaum Zeit zum Atemholen (für´s Aufpusten der nächsten Batterie Luftballons) lässt…  Einen Blick ins echte (eigene) Leben liefert unser fett.-Autor (Name ist der Redaktion bekannt):

“Es wird eine heißer Herbst für Familie R.-D. Wie immer in den Monaten September und Oktober. Denn nach dem erfrischenden Planschen an Südeuropas Badestränden erschüttert jedes Jahr ein Geburtstags-Tsunami den Alltag des Sechs-Personen-Haushalts. Und alles nur, weil sich Mami und Papi offenbar im Winter ganz besonders lieb haben. So ist es zu erklären, dass sich die Geburtstage der vier Kinder an den Tagen 16.9., 30.9., 17.10 und 18.10. knubbeln. Und am 19.10. hat dann auch noch Mama selbst ihren Jubeltag…

Wie schön, dass Ihr geboren seid!

Speziell die Reihung 17-18-19 im Oktober hat es in sich. Tochter 1 und 2, dann die Mutter. Schlag auf Schlag. 2012 heißt das: Erst ein 16., dann ein 8., dann ein 41. Geburtstag. Wenn man jeweils reinfeiern würde – was bei der Achtjährigen glücklicherweise noch nicht in Betracht kommt – sähen alle Beteiligten danach vermutlich nicht nur ein Jahr älter aus. Doch man geht taktisch vor. Die zugehörigen Partys werden so gelegt, dass es einigermaßen sozialverträglich abläuft. Sprich: An den Wochenenden nach den eigentlichen Geburtstagen. Das kann sich schon mal bis ins nächste Jahr hinziehen. Oder auch ganz ausfallen. Denn nach vier Kindergeburtstagen hat die Familie – speziell auch der erweiterte Kreis von Omas, Opas und Geschwistern – einfach keinen Bock mehr auf Geschenkpapiergeraschel, Sektempfang und Buttercreme. Trotzdem wird auch Mamas Geburtstag meistens noch irgendwie durchgezogen. Die Buttercremetorte, wie auch diverse andere Backwaren stammen aus dem Familienbetrieb der Schwägerin, ihres Zeichens Bäckerei-Konditorei-Meisterin. Den Sekt besorgt der Vater. Er kauft rubin für die Familie und trocken für sich selbst.

Alkohol hilft. (Aber erst nach dem Abholen!)

Der Alkohol hilft, das Spektakulum zu überstehen. Speziell dem Vater der Familie ist schon Anfang September schlecht. Dann sind erst mal die Jungs dran. Einmal 13 Jahre, einmal 5 Jahre alt. Aktuell mündet die erste Runde der Feierwelle in Gruppenveranstaltungen mit jeweils zirka acht Jungen. Man mietet die Wasserski-Bahn in der Nähe. Oder macht das Schwimmbad unsicher (einschließlich 10-Meter-Turm). Oder die Soccerhalle. Oder oder. Schwimmengehen hat den Vorteil, dass wenigstens auf der Rückfahrt alle gut riechen. Beim Wasserski war das zuletzt anders. Muss an den Neoprenanzügen gelegen haben. Apropos: Zwei der Geburtstagsgäste passten partout nicht in die wasserdichte Wurstpelle. Zu dick. Mit 12. Tja.

Das Geburtstagskind – ein Partymuffel?

Sohn 2 bekommt noch die altersgemäße Schnitzeljagd. Auch wenn er dabei vergangenes Jahr als einziger völlig teilnahmslos hinter der Gruppe hergelatscht ist. Das Ausbuddeln der Schatzkiste verfolgte er aus sicherer Entfernung. Aber manche Kinder sind so. Lustig auf Kommando, zumal in der Gruppe, das liegt ihm nicht. Könnte vom Vater geerbt sein.

Die Geburtstagswelle im Hause R.-D. ist übrigens auch außerhalb des Hauses spürbar. Für die Berufskollegen der Eltern zum Beispiel. Sie profitieren in dieser Zeit von den Resten der herangeschafften Lebensmittel. „Hmm, wieder Geburtstage bei euch?“ fragen Kenner inzwischen, wenn sie die Tabletts mit halben Hefezöpfen, Kirschplundern und besagter Buttercreme in der Büroküche oder im Lehrerzimmer erblicken.

Equipment-Must have: Ersatzunterhosen

Wer viel feiert, sammelt viele Erfahrungen. Zum Beispiel: Ersatzunterhosen für kleine Gastkinder bereithalten. Bis vier Jahre pinkelt sich immer eine/r voll. Oder: Jungs ab 11 Jahre lieber nur im Wasser oder auf freiem Feld toben lassen. Der Gestank wird sonst unerträglich. Bei achtjährigen Mädchen zum eigenen Schutz eine Brille mit orange getönten Gläsern aufsetzen. Das nimmt dem überall präsenten Quietschrosa wenigstens etwas die Brutalität. Bei 15-jährigen Mädchen die männlichen Gäste im Auge behalten. Und den Getränkekonsum. Ansonsten Nerven behalten und sich über das leckere Essen freuen. Und auf den 31. November. Dann füllen Mami und Papi spät abends 96 Filztäschchen und hängen sie an vier Advendskalender. 2011 war ein gutes Jahr. Da haben sie es zum ersten Mal ohne Streit und unter zwei Stunden geschafft.”