Es gibt Einladungen, die ganz besonders freuen. Weil sie außergewöhnlich sind. Und die sofort eine Menge Fragen aufwerfen. Nicht nur die gängigen, wie  „Was ziehe ich an?“, „Was schenken wir?“. Sondern auch solche wie „Wie finde ich das eigentlich?“ und „Wie erkläre ich‘s den Kindern?“.  Also zum Beispiel, wenn auf einer Einladung groß und golden „Marsallah!“ steht und die ganze Familie zu „Sünnet Düğünü“, einem riesigen Fest zur Feier der Beschneidung eines türkischen Jungen, eingeladen ist. Sich zum Thema Beschneidung ein grundsätzliches Urteil zu bilden, ist mehr Sache von Gerichten, die damit aber auch nicht immer richtig liegen. Fest steht: Muslime, Juden und andere Kulturen pflegen diesen Brauch. Und fest stand auch für Frau K. sofort, dass sie mit Mann, 5jähriger Tochter und 8jährigen Sohn (Top-Fußball-Kumpel des türkischen Ehrenkindes) zu diesem besonderen Fest gehen würde. – Danach wollten wir es natürlich genau wissen!

Na, wie war‘s?

Es war ein großartiges Fest, das ich nicht so schnell vergessen werde! Und obwohl von der Bedeutung wahrscheinlich vergleichbar, trotzdem überhaupt kein Vergleich mit Feiern zur Kommunion oder Konfirmation.

Wie war der Veranstaltungsort?

Wir hatten erst einige Schwierigkeiten, die Location zu finden. Denn eine Außenbewerbung oder gar Hinweisschilder waren leider nicht vorhanden. So mussten wir uns durchfragen, bis wir den Festsaal endlich erreicht hatten. Dann durch eine Drehtür, und plötzlich erstrahlte vor uns der Saal in vollem Glanz und unvorstellbarer Wattzahl, so dass wir uns fragten, wie wir den Raum auch von Weitem überhaupt hatten übersehen können.

Was schätzt du, wie viele Leute waren da?

Die Eltern des Jungen, also die Gastgeber, gingen von ca. 500 Leuten aus, am Ende wurde dann aber mit 650 Gästen gefeiert!

Wann ging‘s los, wann war Ende?

Laut Einladung sollte das Fest um 17 Uhr beginnen. Tatsächlich waren wir um 17.20 Uhr die ersten Gäste. Die meisten kamen zwischen 18 und 19 Uhr. Die allerletzten Gäste wurden um 1 Uhr herausgekehrt.

Das modische It und Styling der Frauen?

Als ich die Gastgeberin vor dem Fest fragte, was als Kleid passend wäre, sagte sie: „Jeder nach seiner Fasson, aber Chic ist in!!!“ Am Abend dann hatten sich die Frauen echt in Schale geschmissen. Ungefähr vergleichbar mit unserem Dresscode bei einer richtig großen Hochzeitsfeier. Tolle Roben, lange Kleider, Cocktailkleider mit viel Glitzer, alles dabei. Opulent waren hier nicht nur die Dekolltées der Damen, sondern vor allem ihre kunstvoll gerichteten Haare, Haartürme, für die sie wahnsinnig viel Zeit beim Frisör verbracht hatten.

Was gab’s zu Essen, was gab’s zu Trinken?

Serviert wurde Rohkostsalat, Reis und Fleisch. Dazu Brot. Türkisch nett und lecker! Die Getränke standen in Flaschen auf den Tischen: neben stillem Wasser gab es Cola und Fanta – logisch, kein Alkohol.

Was war das Programm? Was der Höhepunkt?

Getanzt wurde den ganzen Abend, die ganze Nacht – und zwar ab Eintreffen der Gäste. Eine sechsköpfige türkische Band spielte (fast) pausenlos*. Das Geschehen auf der Tanzfläche wurde auf diverse große Bildschirme im Saal übertragen. Gegen 19 Uhr wurde das Licht gedämpft und Fackelträger bahnten den Weg für eine Sänfte, auf der der Junge hereingetragen wurde. Kaum stand der Junge in der Sänfte auf der Tanzfläche wurde auch schon wieder weitergetanzt. Dabei steckten ihm die Gäste Geldscheine in seinen weißen Anzug. Den nächsten Programmpunkt gab es um 21 Uhr. Die Eltern des Jungen standen mit den engsten Verwandten an der Stirnseite der Tanzfläche und die Gäste hatten die Gelegenheit, ihre Glückwünsche und ihr Geldgeschenk zu übergeben. Dies war gleichzeitig auch der Höhepunkt des ganzen Festes.

Gab’s Geschenke für das Kind oder für die Eltern?

Die meisten Gäste hatten ein Geldgeschenk für den Jungen. Das legte man in ein Körbchen, worauf eines der Bandmitglieder durch das Mikrofon verkündete, wer so gerade gratulierte.

Und Musik? Wurde getanzt?

Getanzt wurde die ganze Zeit, ob Kind oder Greis, alles tummelte sich auf der Tanzfläche, mal zu traditionellen Tänzen, mal Freestyle. Besonders die Männer fielen durch ausgelassene, wilde Darbietungen auf. Und dann fanden sich spontan Grüppchen, die sich gegenseitig durch Klatschen anheizten.

 

Was fandest Du am bemerkenswertesten?

Für mich war es sehr spannend zu erleben, wie ein Fest solch einer Größenordnung auch ohne Tischordnung oder festem Programmablauf funktioniert. Man setzt sich an freie Plätze, spricht mit seinen Tischnachbarn, tanzt mit denen, die sich auf der Tanzfläche befinden und feiert von Anfang an ausgelassen – und ohne zwei Promille im Blut!

Und was machte den meisten Spaß?

Das Tanzen machte tatsächlich den meisten Spaß. Selbst in kurzen Ruhepausen guckten wir immer wieder auf die Bildschirme im Saal, um auch bloß nichts von dem zu verpassen, was auf der Tanzfläche gerade abging. Bis wir wieder weitertanzten…

Worüber habt Ihr auf der Rückfahrt nach Hause am längsten gesprochen?

Die Rückfahrt war ausgesprochen ruhig. Satt, platt, zufrieden!

Wie fanden es die Kinder?

Den Kindern hat am meisten das Unkonventionelle der Feier gefallen. Es störte sich keiner an hundert Kindern, die sich zum “Ticken” zusammenfanden und durch den Saal stürmten. Keiner beschwerte sich über die Lautstärke (die eh durch die Musik übertönt wurde). Kinder waren überall selbstverständlich dabei und konnten tun, was sie wollten. Auf der Tanzfläche wurde Platz gemacht oder tanzende  Kinder wurden umringt und beklatscht.

Was wirst du wahrscheinlich nie vergessen?

Einige Pirouetten, die sich so mancher Mann auf der Tanzfläche erlaubte, werden mir noch lange lebhaft im Gedächnis bleiben. Es zeigte sich Tanz- und Lebenslust, die so fröhlich, zum Teil aber auch urkomisch war. Dass sich niemand was gebrochen oder verrenkt hat, ist mir ein echtes Rätsel!

Dankeschön, fett.!

*Ein kleines Stück von der Band – klick!

(Fotos: privat)