Der Buddha ist der Nachfolger des Gartenzwergs, schreibt Harald Martenstein im Zeit Magazin. “Vermutlich neigen vor allem Menschen mit geringer Neigung zum Spirituellen und ausgewiesene Feinde der Askese zum Kauf eines Buddhas”, vermutet er. “Man spürt dieses innere Defizit und denkt, au weia, ich bin leider total auf Äußerlichkeiten fixiert. Wenn ich in mich hineinhorche, höre ich immer nur Kaufhausmusik. Vielleicht hilft es, wenn ich mir einen Gartenbuddha kaufe.”

Haha! Und vielleicht hat er recht, denn auch auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg, die derzeit mit ihrer wenig asketischen Preispolitik (Tagesticket 21 Euro! Für Blumengucken im Regen!!) die Gemüter erregt, sind an diesem Wochenende Buddhas zu sehen. Geladen wird zum Vesakh-Fest, dem ”bedeutendsten buddhistischen Fest weltweit”, das sieben große buddhistische Organisationen in der “Welt der Religionen” auf dem IGS-Gelände veranstalten.

Vesakh steht für den Geburts-, Erleuchtungs- und Todestag des historischen Buddha vor mehr als 2500 Jahren und ist in vielen Ländern Asiens offizieller Feiertag. Und das kann, je nach buddhistischer Schule und Region, ganz unterschiedlich aussehen: Es gibt Predigten und Meditationen in geschmückten Tempeln, Blumenopfer oder Lichterprozessionen. Vesakh steht für das Streben nach Erkenntnis und Befreiung, als Symbol dafür werden in manchen Ländern Vögel fliegen gelassen und man beschenkt Bedürftige und Pilger. In Nepal ist Vesakh ein öffentlicher Ruhetag, an dem niemand lebende Wesen töten darf. Gefeiert wird fröhlich und bunt oder auch besinnlich und still, etwa so:

-Vesakh Day- from Nakhoda Pujangga Production on Vimeo.

In Hamburg-Wilhelmsburg hingegen von Stille keine Spur: Auf der Gartenschau-Sause stehen sage und schreibe 22 Vesakh-Veranstaltungen auf dem Plan. Damit vom pensionierten Studienrat bis zum Schrebergärtner jeder den individuell passenden Pfad zur Erleuchtung finden kann, wird von der Podiumsdiskussion mit Experten zum Thema „Ist Buddhismus eine Religion?“ über szenische Lesungen („Buddhist ist, wenn man trotzdem lacht“) bis zu Klangreisen und geleiteten Meditationen alles aufgeboten, was die spirituelle Folklore so zu bieten hat, bis zum großen Abschlusskonzert am Sonntagabend, bei dem (kein Scherz) „Buddha bei die Fische“ auf der Bühne West aufspielen. Oommmmmm…