Warum bloß nennt man ein Kind Ratte? Wieso Wurm? Wo doch das, was das Kind tut, um mit diesen, nicht gerade obersympathischen, Tierchen tituliert zu werden, so was von willkommen und schön ist! Nämlich Lesen. Bücher. Und das andauernd und freiwillig und vielleicht sogar noch spät abends richtig oldschool mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. So machen es auch Lola und Lina. Und die beiden wollen – logisch – null was mit “Ratte” oder “Wurm” zu tun haben – eben bis auf das Lesen. Da beide im bald vergangenen Jahr jede Menge weggeschmökert haben, ist aber genauso klar, dass wir sie zu ihren Favoriten befragen. Damit hoffentlich allüberall unter den Tannenspitzen Bücher liegen, die Kinder wirklich gern mögen! (Und wir natürlich auch.)


Auf die Frage, was beide an Weihnachten am besten finden, sind sich die 10jährigen Zwillinge sehr einig: „Geschenke auspacken (jaaa!), vor der Tür auf die Bescherung warten, Essen mit der ganzen Familie (Fondue!), Kekse, und wenn die anderen sich beim Auspacken von Geschenken so freuen.“ Bei ihren Buch-Empfehlungen sieht es in punkto Einigkeit ein ganz klein wenig anders aus, so dass eine fett.e Auswahl zusammen gekommen ist:

Lina empfiehlt

Hieronymus FROSCH. Darauf hat die Welt gewartet
Von Andreas H. Schmachtl, Arena Verlag, 2012. Zum Vorlesen und Selberlesen. Mit Daumenkino und vielen Bildern.

„Wie der Titel schon sagt: Es geht hier um einen Frosch. Hieronymus. Ohne ihn gäbe es keinen halbautomatischen Abkühlungsregler und keinen Automaten der 2.999 Postkarten gleichzeitig verschicken kann. Deshalb versucht Mistfrosch Nick auch, ihm seine Erfindungen zu klauen. Hieronymus beschließt, einen Flugflitzer zu bauen, um fliegen zu können wie die Schwalben. Er lädt seinen besten Freund Monti ein, um mit ihm an seinem neuen Projekt zu tüfteln, doch mit dem fiesen Nick hat er nicht gerechnet. Jetzt muss sich Hieronymus etwas einfallen lassen, denn Nick will schon wieder spionieren… — Für alle, die Grün lieben : )

Die Piroggenpiraten. Ein tollkühnes Abenteuer um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter
Von Māris Putniņš (Lettisch!), Fischer Schatzinsel, 2012.

Das dickste Buch, das ich bisher gelesen habe. 67 Kapitel mit insgesamt 652 Seiten! Eine Seefahrergeschichte von schrecklichen Piraten: den Wan-Tan-Piroggen, mit Reis gefüllt und mit langen Zöpfen – niemand versteht ihre Sprache, nicht mal sie selbst. Die sauerkrautgefüllten Piroggen aus Sibeerien sind – ja, was wohl – sauertöpfisch. Außerdem kommen noch vor gehörnte Pilzpiroggen, die angeblich mit Fliegenpilzen gefüllt sind, kleine Fischpiroggen, die niemand ernst nimmt, weil sie sich nur fürs Fischen interessieren, und die harmlosen Krümelquarkpiroggen, die bloß Floße haben und es höchstens schaffen, hin und wieder einen Angler auszurauben. Die allerschlimmsten sind die Speckpiroggen, deren Anführer nicht nur ein Holzbein und eine Augenklappe hat, sondern zusätzlich noch mit Zwiebeln gefüllt ist. Deshalb stinkt er auch so. – Was auf den vielen Seiten passiert, kann man nicht kurz zusammenfassen. Also einfach hinsetzen oder besser: -legen und selber lesen!
Vorlesen geht nicht, das schafft keine Oma. Sehr wenig Bilder, aber das macht nix.
Am Schluss gibt’s noch ein Verzeichnis mit Worterklärungen aus der Seefahrt und der Küche. Die Helden der Geschichte kann man alle backen. Rezepte dafür gibt‘s auf einer Website vom Verlag.“

Lola empfiehlt

Tausche Schwester gegen Zimmer.
Von Juma Kliebenstein, Oetinger, 2011, Taschenbuch, ab 9 Jahre (zum Selberlesen)

„Die Geschichte geht so: Luna ist 10 Jahre alt und hat zwei ältere Brüder, Julius und Justus. Justus ist beim Schwimmen der Beste und gibt voll an. Julius will immer cool sein und gibt auch an. Luna hat noch einen Hund, der Snatch heißt. Ihre Eltern sind getrennt. Unter der Woche ist sie immer bei ihrem Vater, am Wochenende bei ihrer Mutter. Papas neue Freundin, Marianne, hat vier eigene Kinder. Eines davon, Stella, ist auch 10 und hat eine Katze. Eigentlich hat Luna sich schon immer eine Schwester gewünscht – aber doch nicht so eine!! Und dann sollen die beiden sich auch noch ein Zimmer im neuen Haus teilen. Ob ein Vorhang hilft? Im Buch gibt‘s lustige Zeichnungen, so dass man sich die Personen und Tiere, die vorkommen, gut vorstellen kann. Witzige Überschriften, zum Beispiel: 2. Kapitel in dem es um Scheißkram geht, um Symbiosen und um halbe Hunde. Gestatten, meine Familie!

Herr Röslein
Von Silke Lambeck, Bloomsbury, 2010, Taschenbuch, ab 8 Jahre (zum Selberlesen, aber auch gut zum Vorlesen lassen).

Moritz ist mit seinen Eltern und kleinem Bruder in eine neue Stadt gezogen. Da gibt es einen Haufen Probleme in der neuen Schule. Immerhin aber auch zwei neue Freunde: Ole und Lili. Ohne die beiden wäre es gar nicht auszuhalten. Moritz‘ Eltern haben eine Menge eigene Sorgen und können sich kaum um ihn kümmern. Eines Tages trifft Moritz im Treppenhaus Herrn Röslein. Das ist ein komischer Typ, mit grauem Zopf und Anzug. Aber er kann richtig gut backen und kochen, kennt sich mit Tieren aus und weiß, wo man im Park Regenschirme erntet. Das Buch hat ein paar Bilder, aber die sind nicht so wichtig.
PS: Und das Schönste – es gibt auch eine Fortsetzung, nein, sogar zwei. Wo bleibt Herr Röslein? Und: Herr Röslein kommt zurück.“


Lola und Lina haben übrigens einfach nettere Tiere fürs Büchermögen ausgesucht!

Es wünschen daher eine tolle Zeit
mit „Spielzeug-Katalogen lesen, dazu Kekse essen!“
und lieben Grüßen aus München

Lesewelpe Lina & Bücherhörnchen Lola