Während die halbe fett.-Redaktion gerade in der Ferne auf der Suche nach dem perfekten Firn, feschen Skilehrern und Après-Ski ist, wärmt sich die andere Hälfte von fett. an den Jahrtausend-Hochs Guido, Helmut und Ingo in der Heimat. Moment mal…

Heimat? Ist das denn ein Ort? Ist es der Ort, an dem wir geboren sind? Oder der Ort, an dem wir gerade leben? Ist Heimat ein Geruch, eine Sprache oder eine bestimmte Person? Lebt sie in der Erinnerung oder formen wir sie ständig neu? Und wann wird das Fremde zur Heimat? Simone Egger stellt sich diese Fragen. Fragen, die wir uns auch immer mal stellen. Nur, Simone Egger hat die passenden Antworten darauf parat und ihr Buch dazu schon fertig*. Es ist gerade erschienen und wirklich schön – und das auf über 300 Seiten. Vor allen Dingen beantwortet es locker – und mit jeder Menge klasse Ideen und Beispielen – (fast) alle Fragen rund um Heimat: Identität, Romantik und Nostalgie, Kuckucksuhren, Regionalkrimis, Lieblingsspeisen, Wohnungseinrichtungen, explodierende Mieten, und was das alles mit Heimatbildern, gar mit Heimatgefühlen zu tun hat. Kurz, ein prima Buch!

fett. hat aber noch etwas interessiert. Darum haben wir Simone Egger selbst gefragt:

Heimat und Feiern, wie gehört das zusammen?

Heimat_SEWo man sich wohlfühlt, feiert man gerne, und wo man gerne feiert, fühlt man sich wohl! Feste stärken Gemeinschaften, an Festen können aber auch neue Freundschaften entstehen. Auf einem Fest kommt man ins Gespräch und verbringt möglichst eine gute Zeit zusammen. Das gilt im Beruflichen genauso wie im Privaten. Viele Feste zeichnen sich durch ihr Lokalkolorit aus. Auch wenn Traditionen oft gar nicht so echt sind, wie man vielleicht glauben mag, bieten sie die beste Grundlage für ein schönes Fest! Das heißt, indem man feiert, lässt sich eine Verbindung zu dem Ort, an dem man lebt, herstellen. Das gilt für den Hamburger Hafengeburtstag genauso wie für das Münchner Oktoberfest.

Wie bedeutend sind Feste für die eigene Identität, für die Familie und auch für neue Heimaten?

Es gibt Feste, die mit der eigenen Biografie verbunden sind, mit der Familie oder mit dem Freundeskreis. Mit jedem Zusammentreffen versichert man sich wieder, dass die Verwandten und Bekannten da sind. Man spricht über Neues und Altes und macht gemeinsame Erfahrungen, und das hat sehr viel mit Heimat zu tun. Feiern mit Kolleginnen und Kollegen oder die Feste, die einen konkreten Ortsbezug haben, können wichtig sein, um irgendwo heimisch zu werden. Karneval oder Fasnacht begeht ja nicht nur eine feste Gruppe, jede und jeder kann daran teilhaben. Manchmal gerät das ein bisschen in Vergessenheit, aber in Zeiten hoher beruflicher Mobilität dienen Feste auch der Neuverortung der eigenen Identität. Wenn man nirgendwo mitmachen darf oder nie eingeladen wird, weil man niemand kennt, kann man sich gar nicht heimisch fühlen.

Ihr schönstes Fest in Ihrer Heimat war bislang…?

Ich war schon auf vielen schönen Festen! Das würde ich gar nicht an einer bestimmten Feier festmachen. Ich finde es schön, wenn ich viele Freundinnen und Freunde treffe, die ich lange nicht gesehen habe. Mir gefällt aber auch, wenn ich auf einem Fest ganz neue Leute kennenlerne.

Dankeschön, Frau Egger.


*Heimat. Wie wir unseren Sehnsuchtsort immer wieder neu erfinden. Riemann-Verlag. 320 Seiten. 19,99 € – Allüberall und hier erhältlich ab 10.03.2014.

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Simone Egger, geboren 1979 in Donauwörth, einer kleinen Stadt in Bayerisch Schwaben. Sie ist Kulturwissenschaftlerin am Institut für Volkskunde und Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.


Fotos: ©Simone Egger / Riemann-Verlag, 2014